
Diese Woche hatte ein klares Leitmotiv: KI soll nicht mehr nur antworten, sondern Aufgaben übernehmen und selbstständig weiterarbeiten, während Sie etwas anderes tun. OpenAI hat dafür die große Bühne genutzt, Microsoft liefert das Gleiche leiser direkt in Outlook und Co. Dazu kamen ein freiwilliges Sicherheitsversprechen aus Washington, ein wegweisendes Urteil zum Urheberrecht und ein Milliardenkauf im Chip-Geschäft.
OpenAI DevDay: Agenten im Dauerdienst und ein günstigeres Spitzenmodell
Auf seiner Entwicklerkonferenz am 29. September hat OpenAI mehr als zwanzig Neuerungen vorgestellt. Die wichtigste heißt „Dots“: Agenten, die dauerhaft im Hintergrund laufen, mit anderen Anwendungen verbunden werden und Aufgaben über längere Zeit weiterverfolgen. Dazu kommt das neue Modell GPT-6.1 Sol, das laut OpenAI fast die Leistung des großen Astra-Modells erreicht, aber nur ein Fünftel von dessen Tokenpreis kostet. Dots gibt es zunächst nur in teureren Tarifen (Pro und Business Premium), Sol dagegen für praktisch alle zahlenden Nutzer und in der API.
Was heißt das für Sie? Leistungsstarke KI wird spürbar billiger, und der Trend geht vom Chatfenster zum Assistenten, der eigenständig handelt. Bevor Sie so einem Agenten Zugriff auf Postfach oder Kalender geben, sollten Sie klären, was er ohne Rückfrage tun darf.
Quelle: OpenAI – DevDay 2026 Recap
Microsoft 365 Copilot: Cowork, Kamerablick und aufgeräumte Postfächer
In den Versionshinweisen vom 23. September beschreibt Microsoft eine ganze Reihe neuer Copilot-Funktionen. Mit „Copilot Cowork“ beschreiben Sie das gewünschte Ergebnis, und Copilot sammelt dafür Informationen aus Mails, Besprechungen, Chats und Dateien, erstellt einen Plan und erledigt mehrere Schritte nach Ihrer Freigabe. Neu ist außerdem, dass Copilot geteilte Bildschirminhalte und auf dem Smartphone das Live-Kamerabild auswerten kann. In Outlook versteht Copilot jetzt auch Befehle wie Löschen, Verschieben oder Kategorisieren von Mails und fragt nach, sobald mehr als fünf Nachrichten betroffen sind.
Was heißt das für Sie? Wer Microsoft 365 Copilot nutzt, bekommt die Agenten-Idee ohne neues Werkzeug direkt in die gewohnte Umgebung. Ob und wann die Funktionen in Ihrem Unternehmen freigeschaltet sind, entscheidet allerdings Ihre IT.
Quelle: Microsoft Learn – Release Notes für Microsoft 365 Copilot
Washington setzt auf Selbstverpflichtung statt Gesetz
Im Weißen Haus haben US-Präsident Trump und sechs große KI- und Technologiefirmen, darunter OpenAI, Anthropic, Meta und Nvidia, am 29. September eine „Joint Commitment on Frontier Responsibilities“ unterzeichnet. Die Unternehmen versprechen interne Kontrollen und die Prüfung ihrer Sicherheitsvorkehrungen durch externe Stellen. Verbindlich ist das nicht: Es handelt sich um eine freiwillige Erklärung, ein Gesetz ist vorerst nicht geplant. Kritiker fragen entsprechend, warum eine Billionen-Branche ihre Hausaufgaben selbst benoten darf.
Was heißt das für Sie? Für Nutzer in Deutschland bleibt der europäische AI Act der verbindliche Rahmen. Die US-Vereinbarung zeigt aber, wie unterschiedlich die großen Anbieter je nach Markt reguliert werden.
Quelle: Al Jazeera – Trump, top tech firms sign accord to self-police AI development
Erstes US-Berufungsurteil: KI-Training ist nicht automatisch erlaubt
Ein US-Bundesberufungsgericht hat am 29. September bestätigt, dass das Legal-Tech-Start-up Ross Intelligence die urheberrechtlich geschützten Leitsätze aus Thomson Reuters’ Datenbank Westlaw nicht einfach zum Training seiner KI verwenden durfte. Die Berufung auf „Fair Use“, also die US-Ausnahme für eine erlaubte Nutzung, zog nicht, weil Ross damit ein direktes Konkurrenzprodukt bauen wollte. Die ausführliche Begründung ist vorerst noch unter Verschluss, öffentlich ist bisher nur das Ergebnis.
Was heißt das für Sie? Das ist das erste Urteil dieser Art in zweiter Instanz und dürfte andere Klagen gegen KI-Anbieter beeinflussen. Wer eigene Inhalte hat, etwa Fachtexte oder Datenbanken, kann sich dadurch bestärkt fühlen.
Quelle: Copyright Lately – Third Circuit Backs Thomson Reuters over Ross
AMD kauft World Labs für 8,2 Milliarden Dollar
Der Chiphersteller AMD übernimmt World Labs, das Start-up der bekannten KI-Forscherin Fei-Fei Li, in einem reinen Aktiengeschäft. World Labs entwickelt Modelle, die aus Text, Bildern oder Videos interaktive 3D-Umgebungen erzeugen und simulieren, was etwa für Robotik wichtig ist. Fei-Fei Li soll bei AMD Chefwissenschaftlerin werden, der Abschluss ist bis Ende 2026 geplant.
Was heißt das für Sie? Direkt ändert sich für Ihren Büroalltag nichts. Der Kauf zeigt aber, dass sich die KI-Branche zunehmend für die physische Welt interessiert, also für Roboter, Simulation und räumliches Verstehen.
Quelle: AMD Newsroom – AMD to Acquire World Labs
Mein Tipp der Woche
Bevor Sie einer KI ganze Abläufe anvertrauen, üben Sie an einer kleinen, harmlosen Aufgabe. Ein guter Kandidat ist das Postfach:
- Formulieren Sie einen klaren Auftrag, zum Beispiel: „Verschiebe alle Newsletter der letzten Woche in den Ordner Lesestoff.“
- Wählen Sie „Verschieben“ statt „Löschen“. So lässt sich alles rückgängig machen, falls die KI etwas zu großzügig auslegt.
- Schauen Sie sich das Ergebnis danach kurz an. Dabei lernen Sie schnell, wie genau Ihre Anweisungen sein müssen.
Wer so klein anfängt, merkt schnell, wo KI zuverlässig hilft und wo man ihr besser noch über die Schulter schaut. Das gilt für Copilot genauso wie für die neuen Dauerläufer von OpenAI.
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung recherchiert und entworfen und von Peter Sanne geprüft und bearbeitet.
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